Dietmar Westenberger * 02.11.1951 † 06.11.2012

Look Video & Film, gegründet 1981, ist vor allem das Lebenswerk Dietmar Westenbergers. Er war Produzent, Autor, einfach ein Filmemacher aus Leidenschaft. Mit seinen Produktionen gewann er Preise und hielt ein Stück Geschichte fest.

In Liebe und Dankbarkeit.

Ein vielfaltiger Filmemacher – In Erinnerung an Dietmar Westenberger

 

Im November 2012 verstarb der Journalist, Autor, Produzent und Filmemacher Dietmar Westenberger, Gründer der Wiesbadener Produktionsfirma Look Video & Film. Für das ZDF hat er seit 1977 unter anderem 100 Folgen des Jugendmagazins »SchülerExpress« und zahlreiche Reportagen für »Doppelpunkt«, die Jugendsendung der 1990er Jahre produziert. Andreas Schilling aus der Hauptredaktion Kultur und Wissenschaft erinnert an den Ver- storbenen, der eng mit ZDF-Sportmoderator Michael Steinbrecher zusammengearbeitet hatte und dessen Söhne das Produzenten-Werk des Vaters fortführen:

 

Es fiel schwer, ihn zu übersehen. Und ehrlich gesagt: Wem es gelungen wäre, der hätte auch wirklich etwas verpasst. Allein schon seine Statur schuf Aufmerksamkeit: groß und breit, ein Mann wie ein Baum. Dazu seine sonore, tiefe Stimme. Mit Lautstärke hatte das nichts zu tun. Dietmar Westenberger war kein »lauter« Typ. Seine Präsenz war eher geprägt von einer gewissen Beharrlichkeit im Auftreten, mit der er seine Ideen vertreten oder auch gemeinsame Ideen mitentwickeln konnte.

 

Dietmar Westenberger arbeitete als freier Produzent für das ZDF. Das Zweite hat er als seine berufliche Heimat empfunden. Der Erfolg des Senders war ihm so wichtig wie sein eigener. Dafür wollte er im wahrsten Sinne des Wortes seinen »Beitrag« leisten. Zunächst als freier Mitarbeiter, seit 1984 dann mit seinen Firmen Look Video & Film und Moving Image Company produzierte er in 35 Jahren eine Fülle an Beiträgen, Sendungen und Sendereihen für das ZDF. Ganz unterschiedliche Formate wie zum Beispiel »Die Knautschzone«, »Komm Puter!«, die »Flop-Show« und »Zwischenstopp bei Steinbrecher«.

 

Als Produzent verstand er sich dabei nie nur als Finanzverwalter oder Organisator. Besonders am Herz lagen ihm die unzähligen Reportagen und Filmbeiträge in den Reihen »Schüler-Express« und »Doppelpunkt«. Er sah sich als Autor und Journalist, der seine Inhalte auch selbst umsetzen wollte – und konnte. Denn er dachte immer auch in Tönen und Bildern, war stets auf der Suche nach der besonderen Einstellung, nach außergewöhnlichen Kameraperspektiven. Ein Filme-Macher im eigentlichen Wortsinne. Manchmal auch ein Filme-Ermöglicher: Mit Michael Steinbrecher brachte er Mitte der 1990er Jahre die Reihe »Steinbrecher & ...« auf den Weg. Vielleicht so etwas wie der Höhepunkt seiner Arbeit. Da hatten sich zwei gefunden, die sich in der Zusammenarbeit hervorragend ergänzten, um ein gemeinsames Ziel voranzutreiben. Fast schon eine Vision. Ein journalistisches Porträtformat sollte es werden, zunächst mit prominenten Namen aus der Filmbranche und dem Sport. Intensive und persönliche Gespräche, keine Promotion des neuesten Produkts. Eine filmische Begleitung über Tage und Wochen, keine Zehn-Minuten-Interviews vor neutraler Kulisse im Hotelzimmer. Alles andere als leicht, Weltstars wie zum Beispiel Anthony Quinn, Gina Lollobrigida oder Arnold Schwarzenegger für so etwas zu gewinnen. Dietmar Westenberger gelang es, sie für das Projekt zu begeistern.

 

Eines Tages wollte das ZDF ein paar Folgen über die Königshäuser der Welt in die Reihe integrieren. Alle Beteiligten wussten, dass das Interesse der Paläste an einer solch intensiven Begleitung nahe Null liegen würde. Aber Dietmar Westenberger war keiner, der schnell aufgab. Für ihn war klar: Verloren hat nur der, der aufgibt.

 

Auch wenn der Weg zum Ziel ein langer war: Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit fand und hielt er den Kontakt zu den Höfen. Und es war nicht die Hartnäckigkeit allein. Oft überzeugte er die Majestäten oder ihre Mitarbeiter auch im persönlichen Gespräch. Mit Noor von Jordanien, Silvia von Schweden oder Sirikit von Thailand seien nur drei Königinnen genannt, die seine Präsenz, seine Überzeugung, auch seine sprachliche Ausdruckskraft genügend beeindruckten, um ihnen die Sicherheit zu geben, an einem guten Projekt mitzuwirken.

 

Dass er, der Junge aus Frankfurt-Höchst, es quasi bis in die Wohnzimmer der Adligen, Mächtigen und Prominenten geschafft hatte, amüsierte ihn eher freudig, als dass es ihn stolz machte. Vereinnahmen ließ er sich davon sicher nicht. Spaß machte ihm jedes seiner Projekte. Kein Zweifel, Dietmar Wes- tenberger war mit Herz und Seele bei seiner Arbeit – ob es um ein Porträt der Klitschkos ging oder um eine Reportage über zwei verfeindete Frankfurter Jugendgangs, ob es ein Interview mit Falco war oder ein Bericht über das Leben von jungen Drogensüchtigen, ob es um die »Olympischen Momente« für das ZDF ging oder um einen Imagefilm für die Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz.

 

Selten war für Dietmar Westenberger das Interesse am Thema – vor allem an den Menschen – mit der Ausstrahlung der Sendung oder der Überweisung der letzten Rate beendet. Gerne hielt er den Kontakt, war hilfsbereit auch noch nach Jahren. Das galt für die bekannten und die weniger bekannten Protagonisten in gleichem Maße.

 

Und was wenige wissen: Für so manchen von ihnen hat er sich um einen Therapieplatz oder eine Ausbildung bemüht, eine Wohnung gesucht, eine Arbeit besorgt. Er bot Hilfe zur Selbsthilfe an. Wegschauen, wenn die Kamera ausgeschaltet wurde, das war nicht sein Ding. Nicht in allen Fällen konnte er auf Dauer helfen, leider. Das wusste auch Dietmar Westenberger. Aber: Verloren hat nur der, der aufgibt.

 

Dietmar Westenberger starb am 6. November 2012, kurz nach seinem 61. Geburtstag. Seine Frau Uschi, die drei Söhne mit ihren Familien und viele, die ihn kannten und mochten, sagen: Wir hätten ihn gerne noch eine Weile behalten. Andreas Schilling

 

Stets auf der Suche nach der besonderen Einstellung
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